eLeW, ein Land eine Welt - Forum 3 zu allen Fragen, die mit der Arbeitslosigkeit zusammenhängen
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Thema: Der Staat als Arbeitsplatzvernichter |
Der Staat als Arbeitsplatzvernichter, das ist ja nicht neu. Dennoch hier eine Bestätigung:
Am 29.12.2006 meldet die Berliner S-Bahn erneut mehr Fahrgäste in Berlin und Brandenburg. In 2006 waren es laut S-Bahn Berlin knapp 375 Millionen. Ein Jahr zuvor waren es 357 Millionen Fahrten, somit beträgt die Zunahme 5,3%. Zu dem Rekord habe unter anderem das verbesserte Angebot beigetragen. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der S-Bahn-Reisenden um rund 42%.
Dennoch sollen in 2007 bei der S-Bahn 670 Stellen wegfallen, insbesondere Aufsichtspersonal, Reinigungs- und Sicherheitskräfte. Womit bei unsauberen, menschenleeren Bahnhöfen und weniger Sicherheit nicht nur die neuen Fahrgäste wieder abspringen werden. Denn auf den 165 Bahnhöfen wird es keine Aufsicht mehr geben, die Züge abfertigt.
Was gibt der Staat sonst aus, um 670 krisenfeste Arbeitsplätze zu schaffen? Da wir der Staat sind, du und ich, finde ich uns beide ganz schön blöd.
Alles Gute, huscholz
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Obwohl S-Bahn in DB- und daher im Staatsbesitz sind wir nicht die S-Bahn. Staatsbetriebe sollen Gewinne erwirtschaften und jede (eine ist neoliberaler als die andere) Beraterfirma zeigt immer zuerst auf Stellenabbau und Lohnkürzung. Das Hinzuziehen von Beratern liefert sogar den Reinwaschvorgang, um der Öffentlichkeit tränenden Auges das Muss der Einsparung zu zelebrieren. Und wenn das nicht geht, dann werden Aufträge an Subunternehmen vergeben, wie bei der BVG, wo private Busfirmen unter dem BVG-Logo unterhalb BVG-Lohnstandard operieren. Und heute wird im Kabinett über Mindestlöhne gestritten, wobei es beim Streit auch vorkommt, dass diese Mindestlöhne wo auch immer angesetzt, für viel zu hoch gehalten werden.
Nein blöd sind nicht wir, sondern die mit der Gesetzgebung beauftragten.
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Es bleibt dabei:
Die S-Bahnhöfe werden besser beleuchtet und Kameras werden installiert, die 75% der Bahnhöfe im Blick haben und deren Bilder 48 Stunden gespeichert werden. In Stammbahnhöfen bleiben Aufsichten, die die Bildschirme beobachten. Der berühmte Bahnhof Zoo ist kein Stammbahnhof, selbst der ehemals windgebeutelte Hauptbahnhof nicht.
Bilanz:
In 2005 gab es 850 Aufsichten, zur Zeit 600 und künftig 125 Stammaufsichten und 125 mobile Servicemitarbeiter.
In 2009 sollen alle Bahnhöfe die neue Technik haben. Kosten 42 Millionen Euro.
Ergo zwei hochqualifizierte Arbeitsplätze in moderner Staatssicherheitstechnik dazu und enorm viele Einstiegsarbeitsplätze für weniger Qualifizierte, an denen uns mangelt, einfach weg.
Scheinheilig (O-Ton S-Bahngeschäftsführer U. Thon):
"Es wird keine Geisterbahnhöfe geben."
"Die Fahrgäste können sich weiterhin sicher fühlen."
"Ich wundere mich, dass wir in Berlin über etwas diskutieren, was es überall sonst schon lange nicht gibt."
Es wird immer über aussterbende Spezies diskutiert, und hier ist das Ziel der Diskussion, die letzten Exemplare dieser Arbeitsplätze zu erhalten und sie selbstverständlich andernorts auch wieder zu fördern. Aber bitte unbedingt in Vollzeitarbeitsplätzen und nicht als 1-Euro-Substitut.
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