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Thema: Ist Demokratie ohne Parteien möglich? |
Hallo erstmal :)
Ich bin zufällig auf die Seite gestoßen, als ich mich für eine Arbeit über Parteien, Demokratie und die Fragestellung, ob eine Demokratie auch ohne Parteien möglich sei, informierte. Alles was ich las auf der eLeW-Seite, klang interessant und gut und ich fragte mich natürlich wo der berühmte Haken wäre.
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Hallo N.N. (seit gestern Mitglied der eLeW, Danke für das Vertrauen.)
Der Haken könnte sein, dass Mensch verrückt sein muss, gegen die Mächtigen, die den Souverän an der Nase rumführen, ohne andere Mittel als Argumente anzutreten. Siehe die Meinung von anonym: 'ihr idealismus ist zum scheitern verurteilt' hier im Forum.
Wir setzen unsere Hoffnung aufs Internet, dass damit viele zu erreichen sind, dass wir dem 'Richtigen' auf der Spur sind und dies sich rumspricht. Der Haken könnte sein, dass zu wenige Demokraten mitzumachen bereit sind.
Geht Demokratie ohne Parteien? Bei Google gibt es für "demokratie ohne parteien" in Anführungszeichen 177 Treffer. Es geht nicht. Hier etwas über die
Funktion der Parteien in der Demokratie.
Bei unserer Parteistiftung gab die Wut über die 'Gleichschaltung' der in Macht stehenden Parteien, (die sPD ist liberaler als die FDP und unternehmerfreundlicher als die cdU/csU, die Grünen sind fischerisiert und die PDS macht mit, wo sie kann) den Ausschlag, den Weg von der außerparlamentarischen Opposition in die Parlamente anzutreten. Dazu war uns klar, dass nicht eine neue Partei erforderlich ist, sondern eine ganz andere. Zum Beispiel nimmt die eLeW keine Spenden an oder favorisiert den Volksvertreter als Ablösung für den Ich-Vertreter. Als Programm haben wir als kleinstes gemeinsames Volksvielfaches uns auf die Menschenrechte beschränkt. Damit wenden wir das Davidsprinzip für die eLeW an. Partei muss sein, weil alle Demos, Sit-Ins, Blockaden, email-Schwemmen und Protestbriefe, sowie aufklärerische Dokumente die Politiker der Parteien des vorigen Jahrhunderts nicht zur Umkehr bewegen. Sollte es gelingen, die Nichtwähler für die eLeW in die Wahllokale zu holen, bildet die eLeW 2006 die Regierung. Aber vorher müssen wir Mitglieder in Zehnerpotenzen haben. Das ist der Haken.
Alles Gute,
Hans U. Scholz
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So, nun komme ich endlich dazu zu antworten (2. Versuch nachdem nun endlich meine PC-bezogene Dummheit annehmbare Grenzen erreicht hat).
Erstmal vielen Dank für meine herzliche Aufnahme in diese Partei.
Zu meinen Gründen will ich etwas schreiben, zumindest kurz.
Ich bin ein ziemlich intuitiver Mensch und da liegt auch der Hauptgrund, das ich mir spontan das Formular ausdruckte, meinen Perso kopierte und das ganze der Post übergab, unterschrieben natürlich. Dennoch beruht jede sogenannte "Intuition" auf irgendwelchen Gründen. Dazu habe ich mich (hinterher) befragt und ich kam zu einigen Schlüssen:
1. Eine Partei, die in erster Linie für die Menschenrechte steht. Gut!
2. Eine Partei, die global denkt ohne dabei anderen Kulturen die eigene aufdrücken zu wollen, d.h. ohne Missionierungsanspruch (wenn ich alles soweit richtig versteh). Toll!
3. Eine Partei, die die Verantwortung des Einzelnen fördert und auch die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen fordert. Sehr gut!
4. Eine Partei, die keine Spenden annimmt um unabhängig zu bleiben und die es versuchen will, es ohne das große Geld in den Bundestag zu schaffen. Wow! Perfekt! Mein größter Respekt!
Und als ich all dies überdachte und ich mich selbst überprüfte und natürlich auch mein Gewissen, erkannte ich, dass ich ebendiese Werte selbst als erreichenswert und richtig ansehe. Beim noch genaueren Hinsehen bemerkte ich noch dazu, dass ich mich, obwohl ich mich zu diesen Werten jederzeit frei und offen bekenne, vor allem zur Verantwortlichkeit des Einzelnen und Unabhängigkeit von der Macht des Geldes, vor der logischen Konsequenz dieses Denkens und dieser Verantwortung drücken wollte, indem ich mir sagte: "Das hat doch keinen Sinn, das kann ja nichts werden, das ist bestimmt irgendwas ganz anderes, so eine Art Deckmantel, unter dem der gleiche politische Mist wie überall verkauft wird...." etc.
Und dann sah ich, dass meine Intuition diesen Schritt umgangen hat, da sie auf Unbewusster Ebene ablief und dort nichts war, dass sich bewusst einmischen konnte, mit sogenannten "rationellen" Einwänden.
Falls man das verstehen kann, bin ich nun also mit dabei, weil mich mein Unterbewußtsein dazu gebracht hat einen Schritt in Richtung Verantwortung übernehmen vorwärts zu gehen.
:)
Wenige Mitglieder sind für mich kein Haken, sondern ein ändernswürdiger Missstand. Ein Haken wäre es, wenn ich von nun an mit Zetteln in der Hand und Jesusblick auf der Strasse stehen müsste um Menschen anzusprechen, die es natürlich furchtbar eilig haben und die schon einen Bogen machen, wenn sie mich nur sehen. Bisher hat man das zum Glück ja nicht verlangt ;)
Und noch kurz zu dieser Frage, ob Demokratie ohne Parteien möglich sei. In dieser Aufgabe, die ich zu erledigen hatte, und wegen der ich im Endeffekt nun hier bin, schrieb ich:
"Ich persönlich denke, das Parteien das System der Demokratie und die politische Willensbildung in diesem System zwar vereinfachen, jedoch nicht zwingend notwendig sind und durchaus die Gefahr in sich bergen, dass aus der Demokratie eine Oligarchie wird. Ich glaube, eine Demokratie kann auch ohne Parteien möglich sein. Volksvertreter sind natürlich unumgänglich, aber diese müssten nicht Parteien angehören, sondern könnten auch direkt aus dem Volk ins Parlament gewählt werden."
und zum Thema Politik in Deutschland im allgemeinen:
"Im Großen und Ganzen ist die politische Lage für den einzelnen Bürger tatsächlich so, dass die politischen Strukturen so unübersehbar sind, so eingefahren und unbeeinflussbar wirken, dass man sich tatsächlich fühlt, als gäbe es keine Möglichkeit, selbst etwas zu verändern. Der Widerstand, der einem gegenübersteht, wenn man vielleicht einmal versucht, etwas Politisches zu unternehmen, ist so gewaltig, das man sich hilflos und „klein“ fühlt und nicht in der Lage, irgendetwas zu ändern. Es ist nicht unbedingt nur das System, was hier versagt, doch aber auf jeden Fall die Ausführung. Und vor diesem System sind eben nicht alle gleich. Wer Geld hat, wird es leichter haben, sich politisch zu betätigen, denn er wird ernster und offener angenommen. Wer ein sehr kluger Kopf ist, hat vielleicht auch weniger Probleme damit, sich in diesem System zurechtzufinden. Doch wer ein Leben zwischen Arbeit und Familie führt und damit die Hände voll zu tun hat, der wird von dem System abgewiesen, wie Wasser von Fett. Von diesen „normalen“ Menschen wird erwartet, dass sich ihre politische Mitwirkung darauf beschränkt, zu den Wahlen zu gehen, Steuern zu zahlen, „up to date“ zu bleiben, das heisst Nachrichten zu schauen, und auf größeren politischen „Events“ als Publikum anwesend zu sein, wenn überhaupt. Versucht so jemand, politisch etwas zu unternehmen, wird ihm zunächst eine bürokratische Hürde vorgesetzt, gelingt es, diese zu überwinden, wird nochmals versucht ihn abzuwimmeln usw. Allzu selten wird jemand, der politisch aktiv werden will, weil er in seinem Leben auf politische Unstimmigkeiten (wie z.B. Sozialabbau und Bildungsabbau) stößt, offen und ehrlich empfangen. Daher hilft alle theoretische Mitwirkungsmöglichkeit nichts."
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Außerdem (waren zuviele Zeichen :)):
"Ich denke unsere Demokratie ist eher eine Parteienherrschaft zur Zeit, der eine theoretische Möglichkeit der direkten Mitwirkung des Einzelnen innewohnt, die jedoch kaum in die Praxis umgesetzt wird oder auch werden kann. Eine optimale Möglichkeit wäre es meiner Meinung nach z.B. Parteien zu gründen, in denen direkte Demokratie betrieben wird (was allerdings bedeuten würde, dass alle die politisch aktiv werden wollen ausserhalb der Wahlen Mitglied einer Partei sein müssten, was einem höchst undemokratischen Parteienzwang gleichkäme), die dann wiederrum im Parlament eine repräsentative Demokratie für all diejenigen vertreten würden, die nicht aktiv politisch mitwirken wollten. Andererseits war dies vermutlich der Grundgedanke unserer heutigen Demokratie, die ja trotzdem versagt hat. Vielleicht wäre es also besser die Parteien ganz abzuschaffen und jedem Einzelnen die Verantwortung für seine Rolle im Staat zu übergeben und mit der Verantwortung auch die größtmögliche Macht, die entsteht, wenn man die Macht über einen Staat auf alle Mitglieder dieses Staates gerecht aufteilt. Verantwortung ist meiner Meinung nach das Schlüsselwort, das, was dem Einzelnen in der Demokratie, wie sie heute bei uns existiert, fehlt. Und das, was dasein müsste, um eine politische Motivation in jedem zu schaffen, der Teil dieses Systems ist. So wie es ist, ist es einfach. Man gibt seine Stimme am Wahltag ab und damit auch seine Verantwortung für das, was auf politischer Ebene geschieht. Wenn dann etwas schiefläuft, kann man sich beschweren, aber man selbst hat nicht Schuld. So ziehen sich meiner Meinung nach zuviele aus der Affäre, und die anderen tun es indem sie sich nicht einmal mehr an den Wahlen beteiligen, weil sie wissen, dass diese Macht nur eine Scheinmacht und die Verantwortung nur eine Scheinverantwortung ist und alles im Grunde an ganz anderen Fäden hängt, die von ganz anderen Mächten gezogen werden, wie z.B. von der Industrie, von den Gewerkschaften, von den Reichen und den Gerissenen, von denen die Macht haben eben, obwohl in einer Demokratie ja Niemand Macht haben sollte, außer dem Volk."
Ich will dazu noch sagen, dass ich als Kind sehr politisch interessiert war. Ich habe Unmengen an Büchern gelesen, von denen viele einen politisch/geschichtlichen Hintergrund hatten, wie z.B. die Reihe von Klaus Kordon, "Die roten Matrosen", "Mit dem Rücken zur Wand" und "Der erste Frühling". Kaum kam ich jedoch in das Alter, in dem ich politisch aktiv hätte werden können, wandte ich mich angstvoll ab. Warum ich Angst hatte? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil man sich angesichts der schrecklichen Dinge, mit denen man in Nachrichten und Geschichtsstunden konfrontiert wird, gegen die man aber nichts tun kann, starke Ohnmachtsgefühle entwickeln kann. Ich bin also ein politisch (noch) sehr unwissender Mensch. Doch das werde ich bessern, sosehr ich es vermag.
Liebe Grüße an alle, die sie wollen,
Alice Klatt
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Hallo Alice,
nach so vielen Tagen mal ein Dankeschön nachgereicht für deinen Beitrag hier. Ich habe daraus, ohne dich zu fragen, die Top-Parole auf der Startseite für die nächsten zwei Wochen ausgewählt:
"1. Eine Partei, die in erster Linie für die Menschenrechte steht. Gut!
2. Eine Partei, die global denkt ohne dabei anderen Kulturen die eigene aufdrücken zu wollen, d.h. ohne Missionierungsanspruch (wenn ich alles soweit richtig versteh). Toll!
3. Eine Partei, die die Verantwortung des Einzelnen fördert und auch die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen fordert. Sehr gut!
4. Eine Partei, die keine Spenden annimmt um unabhängig zu bleiben und die es versuchen will, es ohne das große Geld in den Bundestag zu schaffen. Wow! Perfekt! Mein größter Respekt!"
(Wiederholung weil nach zwei Wochen unklar, was ich ausgewählt habe.)
Was du schreibst ist eben besser als irgendwelche Sprüche. Nochmals Danke, Hans U. Scholz
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Ich fühle mich sehr geehrt und wünschte ich würde öfter dazu kommen etwas Sinnvolles zu schreiben. Naja, ich werde mich bemühen. Danke auf jeden Fall für dieses große Lob! Ich hoffe, es ist gerechtfertigt. :)
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Hallo Alice,
Danke für deinen Einsatz und nun noch die Bereitschaft, jeden Dienstag von 19 bis 20 Uhr den chat zu leiten. Viel Erfolg und viele interessante Beiträge.
Alles Gute, Hans U. Scholz
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Ja, ich bin auch mal gespannt, wer da so auftaucht und was interessantes dabei herauskommt. Ich habe den Chat auch schon ein paar Leuten empfohlen und ich hoffe sehr, das auch noch mehr kommen.
Natürlich ist jeder herzlich eingeladen.
Lieber Gruß,
Alice Klatt
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