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Thema: Zur Situation im Gesundheitswesen


Trotz Sommerpause ist erkennbar, wie sich die jüngsten Gesetze aus dem Gesundheitsministerium auf unser Gesundheitswesen
auswirken.
Mittlerweile sind unter dem Kostendruck für die Krankenhäuser über 50.000 Stellen beim Pflegepersonal abgebaut worden.
Trotz Ruf nach immer mehr Qualität bleiben entsprechende Pflegemängel nicht aus. Allein aus meiner Praxis kann ich drei Patienten aus jüngster Zeit benennen, die mangels ausreichender Beobachtung in der Aufwachphase nach operativen Eingriffen
aus dem Bett oder von der Liege stürzten und sich eine Schenkelhalsfraktur zuzogen. Die "blutige Entlassung" als Folge der Fallpauschalen (DRGs) wird immer mehr zur Regel. Das erklärte Ziel des BMG, ein Drittel der Krankenhäuser wegen „Unwirtschaftlichkeit“ zur Schließung zu zwingen, müssen die Kranken ausbaden.
Im ambulanten Bereich führt das finanzielle Aushungern von Facharztpraxen durch Festschreibung der Praxisbudgets auf den Stand von 2002 bei sinkenden Punktwerten und steigenden Kosten zum gewünschten Effekt der Verlagerung an Medizinische Versorgungszentren/Krankenhausambulanzen.
Das nicht steigerbare Quartalshonorar einer Praxis führt zur
Leistungsbeschränkung auf den bezahlten Rahmen, Termine darüber hinaus werden an Gesetzlich Krankenversicherte nur in
Notfällen vergeben. Die freiwerdende Zeit widmet der niedergelassene Arzt seinen Privatpatienten. So entwickelte sich erst unter diesen Bedingungen in den letzten
Jahren die Zweiklassenmedizin auch hier, die sonst in allen Staaten der Welt längst die Regel ist. Prof. Lauterbach will sie bekämpfen, Ministerin Schmidt stört sich an ihr, wo beide doch erst mit ihren Maßnahmen Zweiklassenmedizin gezüchtet haben.

Vor 10 Jahren wurden kaum Unterschiede zwischen gesetzlich und privat Versicherten gemacht. Auch wenn Prof. Lauterbach und Ministerin Schmidt nicht mehr Arm in Arm gemeinsam auftreten, ihre früher abgesprochene Taktik verfolgen sie beide konsequent auf verschiedenen Wegen:
Angleichung unseres Gesundheitswesens ans Ausland, fachärztliche Versorgung am Krankenhaus, ob stationär oder ambulant,
Basisversorgung durch den Einfacharzt im Kiez (Hausärzte haben sich für ein paar Brosamen auf das Zusammenstreichen ihrer Leistungen zu einem Koordinieren eingelassen).
Ausverkauf von Krankenhäusern und Universitäten an private Krankenhausbetreiber wie die Rhön-Kliniken der Bertelsmanngruppe (Aufsichtsratmitglied Prof. Lauterbach). Öffnung des ambulanten Marktes für Krankenhausambulanzen
zwecks besserer Bettenauslastung (Selbstbedienung).
Einführung von Wartelisten zur Kosteneinsparung (manches erledigt sich mit etwas Warten von selbst).
Beseitigung der Unterschiede zwischen Privat- und Kassenpatienten durch Nivellierung des Besseren auf Kassenniveau.
Statt offener Benennung, was im Gesundheitswesen bezahlbar ist und was nicht, verdeckte Rationierung mit Daumenschrauben
für die Beteiligten.
Verschwendung von Unsummen für bürokratische, nicht selektierte Disease-Management-Programme. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Nur, ist das zum Guten?

Weder Bundestagsabgeordnete noch Journalisten erkennen, dass das vom BGM unter der Führung von Ulla Schmidt zubereitete
Gericht, eine Staatsmedizin auf Billigniveau, letztendlich unbekömmlich sein wird. Die Unruhe und Verunsicherung unter Chronischkranken, die unter den Rabattverträgen mal solche, mal solche Pille statt ihres altvertrauten Medikamentes bekommen,
sei dabei noch außen vor. Milliarden Euro werden der Krankenversorgung entzogen und für die Ausgabe von e-cards in der Fläche ausgegeben unter Verzicht auf Testläufe im größeren Rahmen. Dabei ist beispielsweise noch immer ungelöst, dass eine Rezeptausstellung nicht so lange dauern darf wie Geld am Automaten abheben oder dass über eine Million beruflich
Berechtigte in der Republik Zugriff auf die Karte haben werden. Wie sollen da Patientendaten vor Missbrauch geschützt werden?
Oder wie soll der Stellenbewerber reagieren, wenn seine mögliche Anstellung davon abhängt, ob er seine Chipkarte vom
Arbeitgeber auslesen lässt? Alles ungelöst, aber vollendete Tatsachen sollen mit der ecard-Ausgabe geschaffen werden, gleich was es kostet.

In die Sommerpause hinein teilte das BMG mit, die Gebührenordnung für Privatpatienten, GOÄ, würde dem Niveau der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) angeglichen.
Trügerisch ist die Ruhe darauf. Spätestens wenn diese Pläne konkreter und die Konsequenzen den Einzelnen mehr bewusst werden, wird es eine riesige Protestwelle von allen Ärzten, ob im Krankenhaus oder niedergelassen, geben. Ein Generalstreik ist denkbar, kann doch keiner weitere Einbußen auch noch im Privatpatientenbereich verkraften. Alle sind auf diese Honorare in dieser Höhe angewiesen. Statt Ungleichbehandlung für Kassenversicherte durch bessere Honorierung zu beseitigen,
sollen die Leistungsträger in der Krankenversorgung weiter Sparzwecken dienen, ohne Rücksicht auf Verluste oder Schäden.

Werden Lauterbach und Schmidt die Krankenversorgung weiter verschlechtern dürfen oder fällt ihnen jemand in den Arm?
Bislang sieht die Öffentlichkeit noch des Kaisers neue Kleider.

20.8.2007, Dr. Thomas Scholz, Internist,
Waidmannsluster Damm 41, 13509 Berlin



Nachtrag: Das oben Geschriebene kann hier als pdf-Datei runter geladen werden.



Auch ein sehr wichtiges Thema. Hier eine zusätzliche Zusammenfassung von

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/56974

Passt ins Bild unserer Republik, dem Rest der noch zu erkennen ist.

Fragen: einer statistischen Untersuchung in England zu Folge ist die Lebenserwartung der Menschen allein dadurch messbar zurückgegangen, weil die Anzahl der Schwestern pro Patient reduziert wurde. Kam mal bei Spiegel-online. Kann das jemand bestätigen?

Die Tendenz ist bei uns eindeutig die Selbe. Wird damit bewusst mit der offensichtlichen Verbess-schlechterung der Versorgung darauf gesetzt, die Lebenserwartung des Volke zu reduzieren?



http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2007/nr34-vom-27-august-2007/nic
ht-diagnostizierte-krankheiten-und-radioaktive-kriegsfuehrung/


Schlussfolgerung

Die gegenwärtige Realität des kombinierten chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Schlachtfeldes (CBRN) bei der taktischen Kriegsführung oder die mögliche heimliche Verwendung von kürzlich entwickelten Geräten zur Verbreitung radioaktiver Substanzen in einem terroristischen Szenario schaffen eine neue Dimension des Umgangs mit Massenopfern. Die Rolle der Medizin im nuklearen und radiologischen Krieg ist begrenzt auf Grund einer mangelnden Vorbereitung des Umgangs mit den komplexen Konsequenzen einer akuten Strahlenkrankheit mit kombinierten Verletzungen oder mit einer Verseuchung der Biosphäre und der menschlichen Bevölkerung. Kürzlich festgestellte Krankheiten mit unbekannter Herkunft, Pathogenese und klinischen Erscheinungsbildern stellen die medizinische Behandlung noch vor ungelöste Probleme. Die schädlichen Effekte im Körper angelagerter Radionukleide, insbesondere von Uranisotopen als Folge der militärischen Konflikte des vergangenen Jahrzehnts, wurden in der aktuellen Literatur gut dokumentiert. Die Notwendigkeit einer gut geplanten und koordinierten interdisziplinären Forschung angesichts der gegenwärtigen Umweltfolgen und medizinischen Konsequenzen einer CBRN-Kriegsführung, mit einem objektiven und unvoreingenommenen Herangehen zur Klärung der ungeklärten Nachkriegskrankheiten, wird zu einer tieferen Einsicht in dieses herausfordernde Kapitel der medizinischen Wissenschaft durch den unvermeidlichen Fortschritt einer objektiven Forschung führen. •


Also, Ihr habt viel zu tun, packt es an!!!

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