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Thema: Zum Mindestlohn |
Guten Tag !
Leider war es mir nicht möglich, meinen Kommentar zum Thema "Mindestlohn" abzuschicken - das Formular funktioniert nicht. Ich füge es hier an : (Webmaster: Schande über mich, es hatte mal funktioniert und seit einiger Zeit habe ich mich darauf verlassen. Danke, dass Sie nicht einfach {hier}weggeklickt haben.)
Na na, langsam bitte !
1) Gesetzlicher Mindest(stunden)lohn ist eine klassische Forderung der Arbeit(nehm)erbewegung, und nach wie vor berechtigt - man braucht sich nur das gegenwärtige Absinken, ja besser gesagt : Abstürzen der Löhne anzuschauen (anno 2004), ohne daß ein Ende dieser Abwärtsbewegung abzusehen wäre. Die Gewerkschaften sind ganz offensichtlich nicht in der Lage, ein weiteres Absinken zu verhindern - zum Teil sind einige Gewerkschaftsbonzen, welche mit entsprechendem Parteibuch, auch gar nicht daran sonderlich interessiert.
2) Ein gesetzl. Mindest(stunden)lohn ist keineswegs ein "guter Lohn", wie es das Wort schon klar ausdrückt - einen solchen zu bekommen, bleibt nachwievor eine "lohnende Herausforderung" für die Tarifpolitik (!) Gewerkschaften bzw. der Tarifpartner. Oberhalb eines, wie auch immer festgesetzten, Mindestlohnes bleibt wirklich genug Spielraum für Tarifautonomie - oder !?
3) Ein gesetzl. Mindest(stunden)lohn wäre ein Qualitätskriterium für die Tarifpolitik der Gewerkschaften - sie würden sich daran messen lassen müssen ! Die gegenwärtige Tarifpolitik der Gew. ist eine Art Beschäftigungstherapie für die Funktionäre - man schaue sich nur die IG-Metall an, mit angeblich über 27.000 Tarifverträgen, von denen die meisten jedes Jahr neu geschlossen werden müssen. Das ist glatter Aberwitz ! Kein Wunder, daß diese Leute nicht mehr in der Lage sind, einen Arbeitskampf oder eine Protestkampagne erfolgreich (!) zu planen und durchzuführen.
Diese Leute machen sich leider einen "recht schönen Tag", bei guten Gehältern und Altersrenten - für einen längeren Arbeitskampf bleibt da nicht genug Geld übrig. Stelle dir nur vor, es würde infolge eines Kampfes/Kampagne plötzlich Ebbe in den Gew.kassen sein : wo blieben dann die eigenen Gehaltszahlungen und -erhöhungen, sowie die üppigen Reisespesen ?! Nein, das Schmarotzertum hat auch vor den Türen der Gew.büros nicht halt gemacht !
4) Viele Unternehmen bzw. Millionen Beschäftigte sind nicht an irgendwelche Tarifverträge gebunden bzw. bekommen keine Tariflöhne - diese Beschäftigten sind völlig der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert. Die Zahl dieser Menschen wächst rapide - man denke da z.B. an die ca. 7,5 Millionen Minijobs, bald Millionen von Leiharbeitern usw.. Die Gewerkschaften sind längst dazu übergegangen, individuelle Verträge mit einzelnen Unternehmen abzuschließen - eine reine Makulatur, und reine Beschäftigungstherapie für die Bonzen, angesichts der Ergebnisse !
5) Das tägliche Bereitstellen von Arbeitskraft ist mit Kosten verbunden, den sog. Lebenshaltungskosten. Auch ein Arbeitskraft-Anbieter hat doch das Anrecht, ein kostendeckendes Einkommen zu fordern und zu bekommen, genauso, wie ein Unternehmer eine volle Kostendeckung bzw. die Rentabilität als selbstverständlich einfordert. Ein kostendeckender Stundenlohn läßt sich anhand eines landläufig anerkannten Warenkorbs unschwer ermitteln, mit Methoden der Markt- und Meinungsforschung. Dabei ist auch noch zu berücksichtigen, daß jeder Arbeitnehmer durchschnittlich auch noch mindestens 1 Kind/Jugendlichen voll zu versorgen hat. Auch dies gehört zu den "zu kalkulierenden Reproduktionskosten" der Arbeitskraft - hiermit sichert sie ihr eigenes Überleben sozusagen über Generationen hinweg, genauso, wie es das Kapital tut.
Ein Arbeitnehmer, der vollzeitig arbeitet, mit ca. 40 Wochenstunden, muß in der Lage, die eigene Arbeitskraft, in ihren physischen, seelischen und geistigen Aspekten, in vollem Umfang langfristig zu reproduzieren, d.h. alle seinen Lebenshaltungskosten an seinem Wohnort abzudecken, für sich und sein Kind, ohne zusätzlich noch seine Hand beim Vater Staat aufhalten müssen. Dies ist in DE auf keinen Fall mit einem Stundenlohn unter 10 Euro (anno 2004) zu machen. Billiger darf die Arbeitsleistung, gemessen in Arbeitsstunden, nicht sein, damit sie rentabel bleibt, ohne Raubbau an der eigenen Substanz zu betreiben bzw. die Substanz von Familienangehörigen zu verzehren.
6) Einen Mindest(stunden)lohn anzubieten, ist fast als ein strategischer Denkfehler der "Gegenseite" zu werten - eine solche Chance kommt nie wieder ! Einmal eingeführt, egal auf welchem Niveau, kann man anfangen, ihn langsam aber stetig "nach oben" zu drücken ! Andernfalls, in 6-8 Jahren werden die Arbeitnehmer und ihre Ver(t)räter nach Mindestlöhnen schreien, sie werden aber ausgelacht werden - Wetten, daß ... !?
Mit Gruß, Name und email bekannt, 28 Aug 2004 00:19:37
Danke, ich werde um Erlaubnis bitten, das hier unter den eLeW-Aussagen zur Diskussion zu stellen. Webmaster huscholz
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