eLeW, ein Land eine Welt - Forum 6 mit Beiträgen und Stellungnahmen über den Umgang miteinander und anderen
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Thema: Gewaltexzesse |
Eine Frage von N.N heute:
"auf der Suche nach einem Diskussionsforum über die mich wirklich erschreckenden Ausschreitungen in England habe ich festgestellt, dass auf dieser Seite (Die eLeW-Seite, huscholz) nicht mehr viel passiert.
Dafür finde ich eine Einladung kostenlos Frauen kennenzulernen wenn ich auf Forum gehe. "
a) Es passiert nicht mehr viel. Zeitmangel und fehlende Interessenten haben die anfängliche Aktion zur Idee schrumpfen lassen. Neue Interessenten oder Neuanfang bei den bisherigen würde sicher den Winterschlaf beenden.
b) Leben mit kostensenkender Werbung passt zur kostensparenden Demokratiearbeit. Bei der Werbung taucht mitunter auch diejenige von Parteien auf, die es sich leisten können und somit zum Blick auf andere Demokraten (hoffentlich) verführen.
c) Zum Thema Gewalt in England ein Beitrag aus dem Spiegelforum heute, wo ein gewisser Crumble sich mit seinem ersten Beitrag jemals einschaltet:Ein wenig "Insider" Information
Ich lebe seit 4,5 Jahren in England, die letzten 4 davon in Birmingham. Von daher habe ich ein wenig mehr Informationen über die Krawalle durch Zeitungen, Radio und Fernsehen.
Heute morgen, z.B. auf BBC Radio 4, wurden 2 Jugentliche (< 18 Jahren) in Manchester interviewed, warum sie Läden plündern und anzünden. Die Antwort war schlichtweg: "Weil es geht und sie mich nicht wirklich verhaften. Die Zellen sind alle voll, also was wollen sie denn tun?" Der Reporter stellte noch weitere interesssante Fragen: "Wissen Deine Eltern, dass Du hier bist?" - "Ja, wahrscheinlich." - "Was werden Deine Eltern sagen, wenn Du nach Hause kommst?" - "Vielleicht werde ich angeschrien, aber das kümmert mich nicht." - "Die Sachen, die Du hier stiehlst, kannst Du Dir die normalerweise nicht leisten?" - "Doch schon, aber jetzt kriege ich sie ja kostenlos und ich kann damit ganz gut Geld machen."
Mir scheint, dass das eigentliche Problem nicht der "Turbokapitalismus" oder "Armut" ist - meine Nachbarn leben von Sozialhilfe und haben neulich damit angegeben, dass sie zu zweit 4 Fernseher haben, zwei LCDs mit >40 inch - sondern eher darin, dass wir in einer Gesellschaft leben (nicht nur in England), in der Regeln als etwas nutzloses angesehen werden. Es gibt kaum Verhältnismäßigkeit mehr zwischen "Actio und Reactio", das Erlernen von Konsequenzen für eigenes Verhalten verkümmert zusehens. Das nicht ohne Grund: Hier in England könnte mich meine eigene Tochter anzeigen, falls sie von mir eine Ohrfeige bekommen sollte. Und in Schulen - meine Frau ist Lehrerin - geht das genauso weiter. Es dürfen keine Konsequenzen ausgeteilt werden, wenn jemand im Klassenzimmer ausfällig wird. Kinder spielen auf Handies rum, beleidigen Lehrer usw. - und das sind noch die besseren Schulen.
Ich denke, wir müssen wieder zurückkommen zu einer Gesellschaft, in der junge Menschen erlernen, dass, was immer sie auch tun, im positiven wie im negativen, ihre Taten Konsequenzen nach sich ziehen.
Das SPON-Forum liefert recht gute Darstellungen von möglichen An- und Einsichten und Vor- und sonstigen Urteilen.
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Hi, N.N. hat jetzt einen Namen.
Ein guter Artikel, auf den ich aber im Moment nicht eingehen möchte.
Es ist schon merkwürdig, ich habe schon viele Berichte im Fernsehen gesehen oder in der Zeitung gelesen und war erschrocken, mitleidig oder konnte die Ignoranz einzelner oder vieler nicht fassen.
Aber diese Krawalle in England empfinde ich als persönliche Bedrohung. Vielleicht haben sich nicht die Berichte geändert, vielleicht bin ich nur empfänglicher geworden.
Wieviel Zeit hatte der Mensch sich weiterzuentwickeln, 30-40.000 Jahre? Und innerhalb eines Tages verwandelt er sich vom fortschrittlichen, mehr oder weniger intelligenten Menschen in ein primitives, brutales Geschöpf.
Wie oft habe ich bei Kriegsberichten die brutalen Ausschreitungen der Menschen gesehen und dachte, dies ist ein Ausnahmezustand, sie wissen nicht was sie tun. Soetwas passiert nicht so einfach. Und auf einmal passiert es so einfach. Menschen sind verletzt worden und sogar gestorben, Geschäfte geplündert, fremdes Eigentum zerstört. Nicht am anderen Ende der Welt, in eínem nicht so fortschrittlichem Land. Nein, in einer Millionenmetropole, einer Stadt, in der ich schon war, gleich nebenan.
Hätte es dann auch Berlin, Frankfurt oder Hamburg sein können? Nein, werden einige sagen. Unsere Polizei wäre besser, schneller, effizienter. Kann sein.
Fakt ist jedoch, dass alles, was wir heute an der Vergangenheit als verabscheuungswürdig und ignorant empfinden, von Gladiatorenkämpfen im alten Rom, Sklaverei über Hexenverbrennungen, etc. kann jederzeit wieder aufleben. Der Mensch ist nicht zivilisiert (ich rede nicht von einzelnen sonder von der Masse). Zivilisation ist nur ein hauchdünner Umhang, den wir über unserem wahrem Selbst, unseren tierischen Instinkten tragen.
Nimmt man uns unsere Bequemlichkeit und Sicherheit weg (Gas, Strom, Erdöl) wie lange wird es dauern, bis wir uns gegenseitig die Köpfe einschlagen? Wird dies noch zu meinen Lebzeiten passieren?
Wache ich eines Tages auf und meine Welt liegt in Trümmern und das Recht des Stärkeren hat sich wieder etabliert? Werden wir gar nicht auf den Abwurf einer Atombombe oder den Ausbruch eines Supervulkans warten müssen? Tickt die verheerende Kraft von beidem sowieso in uns und wartet nur auf den Ausbruch?
Sorry, wenn ich anfange zu schwafeln. Ich habe noch nie einen Beitrag in einem Forum geschrieben und scheinbar hat sich eine Menge in mir aufgestaut.
Wahrscheinlich ist das alles die Rache von Mutter Erde, die endlich die Nase von uns voll hat und uns deutlich zeigt, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind sondern nur ein (animalischer) Teil davon.
Jetzt driffte ich aber endgültig ab.
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Alles, was wir heute an der Vergangenheit als verabscheuungswürdig und ignorant empfinden, können wir in der Gegenwart wiederfinden und für die Zukunft erwarten. Ja, Zivilisation ist nur ein hauchdünner Umhang, und der kann leicht zerfetzen.
Am 24.5.11 steht in der Zeitung: "Was bewirkt ein Stromausfall in großem Stil? Chaos würde sich binnen kürzester Zeit breitmachen. Ein Blackout über mehrere Tage kann zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen. So ist es in einer gestern vorgelegten Studie des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Bundestag zu lesen."
Und wie sieht es mit der Politikfolgenabschätzung aus?
Selbst wenn der Gewaltausbruch in England von Kriminellen ausgeht, ist doch der Nährboden dafür durch Fehler der Politik bereitet worden.
Es kommt darauf an, schon bei den Ansagen von Krisen gegensteuern zu können und das nicht aus den Augen zu verlieren. Die Ansage der zunehmenden Gewalt haben wir schon länger vernommen. Hier fehlten Anstrengungen für eine bessere Bildung des Verstandes und der Herzen, einhergehend mit Chancen und Angeboten, zivil zu leben. Hoffen wir, dass die Ereignisse zu entsprechenden Maßnahmen führen.
Die Angst vor den Trümmern der Welt ist aber irrational. Dadurch nicht das Leben heute sich vermasseln lassen. Manches Schicksal hält Trümmer bereit, die jeden aus der Bahn werfen würden. Davon hört man jeden Tag und merkt, dass es immer den anderen passiert.
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Aus der Bahn wirft es mich nicht, dann man sieht selbst im Fernsehen für jeden Randalierer einen, der sich Sorgen um seine Strasse und seine Nachbarn macht. Auch wenn der Hauptgrund vielleicht die eigene finanzielle Existenz ist, sie sind präsent, aktiv und zeigen sich öffentlich.
Es stimmt, dass alles von der Politik abhängt. Läuft es gut im Land, haben alle Arbeit, Ausbildung und eine gute Schule, dann gibt es wahrscheinlich immer eine Handvoll die Stunk machen, aber der Grossteil lässt sich davon nicht anstecken.
Perspektivlosigkeit und Langeweile sind dagegen ein guter Nährboden.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich nicht gerne mit Politik(ern) beschäftige. Ich mag diese Menschen nicht (egal ob Wirtschaft oder Politik), die machthungrig nach oben streben und denen das eigene Wohl wichtiger ist als die Gesellschaft. Wenn ich das Geschwafel im Fernsehen höre werde ich wütend. Da ist keiner, der mal seine wirkliche Meinung sagt, keiner, bei dem man das Gefühl hat er dient dem Allgemeinwohl.
Jetzt halte ich mich für einen gebildeten, intelligenten, aufgeschlossenen Menschen. Wenn ich nichts dagegen tue, wie kann ich es von den weniger "beschenkten" erwarten.
Also, was kann ich tun?
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Google platziert genau unter "Also, was kann ich tun?" eine Anzeige von "Geben statt nehmen". Vielleicht wiederholt Google das bei euch auch.
Als Techniker weiß ich, dass wo Energie den Zustand wechselt, auch Verluste (z.B. wegen der Reibung) entstehen. Um in Gesellschaft einen erträglichen Zustand zu halten, muss wegen unvermeidlicher Verluste mehr reingegeben werden, als entnommen wird. Leider wird das Mehr-Reingeben den Ehrenamtlichen, Freiwilligen, Gutwilligen und Nicht- und Unterirdischbezahlten überlassen. Ein aktueller Vergleich setzt den Wert einer Stunde Müllmann auf 80 Euro für die Allgemeinheit und eine Stunde Spitzenbanker auf - (minus) 3,8 Millionen Euro. Das vorausgesetzt ist politisch die Forderung verständlich, die Entnehmer höher zu besteuern. Aktuell also Vermögenssteuer und Spitzensteuern anzuheben. Auf welchen Widerstand das bei den Besitzenden stößt, erlebte gerade Obama. Antwort 1: Die Grundlage für das Agieren bei Ansage von Krisen schaffen: Gesellschaftliches Einkommen erhöhen. Zusatzantwort 1a: Die öffentliche Hand kontrollieren, dass dieses Einkommen nicht verprasst wird. (Bp. PPP = Public Private Partnership = Piss Poor Planning). Damit ergibt sich (mit einem einseitigen Beispiel) die Aufforderung zur Beteiligung an Politik. Etwas, was die eLeW ja umtreibt, die 24/7-Demokratie (c)eLeW. Antwort 2: Eigene eventuell aufkommende Gleichgültigkeit ablegen und sich engagieren - Geben statt Nehmen und/oder Hinschauen statt Wegschauen.
Danke für die Gelegenheit zum Abdriften weg von Gewaltexzesse, denn das Spezialforum hier ist ja dem Umgang miteinander und anderen gewidmet.
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Ich bin ganz Deiner Meinung, ich denke ich fange mit Antwort 2 an.
Vielleich sollten wir das Forum wechseln und in die Abteilung Politik gehen.
Ich empfinde alle Ansätze auf der Seite von eLeW als gut und richtig. Das Problem ist nur, wie kriegt man die Theorie in die Praxis?
Die Ziele snd gesetzt - jetzt müssen wir nur noch in den Bundestag. Gibt es dafür einen Plan?
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Das Forum zum Wechseln könnte "Was möglich oder zu tun ist" sein. Von a) bis j) (Stand heute) gibt es da schon Überlegungen, ich denke über k) nach.
Zum Thema Gewaltexcesse hat SPON einen Essay mit einer Antwort.
Der Daily Star macht am 12.8.11 mit dieser Geschichte auf:
AN OLYMPICS ambassador who helped to promote the Games with London Mayor Boris Johnson was yesterday exposed as a riot suspect. Die 18 Jahre alte Chelsea Ives, eine Botschafterin für die Olympischen Spiele in London, wurde von ihrer Mutter angezeigt, nachdem sie ihre Tochter im Fernsehen beim Plündern gesehen hatte. Beim Gerichtstermin gab Chelsea Ives an, der Tag im Stadtviertel Enfield sei der "beste in meinem Leben" gewesen. Laut Polizei sei sie die Erste gewesen, die Steine gegen die Schaufensterscheibe geworfen und Handys gestohlen habe.
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