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Thema: Internet und Datenschutz


Unser Innenminister verlangt nach den versuchten Attentaten auf zwei Regionalzüge auch eine intensivere Überwachung des Internets. Spezialisten sollen permanent Extremisten beobachten und so mögliche Attentate rechtzeitig erkennen. Unser Regierungssprecher teilt daraufhin mit, dass dafür Neueinstellungen vorgenommen und neue Finanzen bereitgestellt werden.

Das läuft also. In den USA macht das die National Security Agency (NSA) schon seit langem und hört systematisch alles ab, um mit Softwarehilfe nach Auffälligkeiten zu suchen.

Die EU geht noch weiter und fordert eine umfassende Archivierung sämtlicher Spuren der Internet-Nutzer. 6 bis 24 Monate lang soll gespeichertwerden, unter welcher IP-Adresse wer wann wo sich für was bewegt hat. Dazu wurde die sogenannte Richtlinie über die Vorratsdatenspeicherung vom Rat im Februar 2006 abgesegnet. Wenn die Klagen Irlands und der Slowakei beim Europäischen Gerichtshof nicht dagegen helfen, wird Deutschland das als Landesgesetz übernehmen müssen.

Damit, sagt der Datenschutzbeauftragte Schleswig-Holsteins, Thilo Weichert, wir der Datenschutz völlig ausgehebelt. Es entstünde ein Überwachungspotential, das mit nichts vergleichbar sei, was bisher in demokratischen Systemen existiere.

Das Datenschutzzentrum in Kiel betreibt deshalb mit Forschungsgeldern und gemeinsam mit den Unis Dresden, Berlin und Regensburg den deutschen Internet-Anonymitätsdienst AN.ON
Nutzer werden in den Datenstrom anderer Nutzer eingespült, so dass keiner, auch die Betreiber nicht, auch in 6 bis 24 Monate nicht, rausbekommt, unter welcher IP-Adresse wer wann wo sich für was bewegt hat. AN.ON hier.




Wer der Frage nachgeht, wie Mensch seine Internetaktivitäten anonymisieren kann, wird mit obigigem Link auf JAP und JonDo stoßen.
ComputerBild hat sich auch des Themas angenommen und in 24/2008 das Produkt Cyberghost vom TÜV auf Wirksamkeit untersuchen lassen und groß herausgestellt.

Hier nun ein Einblick in die Diskussion dazu bei ComputerBild selbst, wo ich nur vermuten kann, dass die Leser verkohlt werden. Mittenhinein zur Seite 5.
Interessant der Beitrag des gesperrten Benutzers Hulk_aus_Samoa:
Es stimmt, dass sowohl Jap als auch Tor-Server in Deutschland beschlagnahmt wurden, zuletzt geschehen im Jahre 2006. Gefunden wurde allerdings nichts.

Deutsche Systeme wie Jap speichern grundsätzlich nicht, welche Seiten jemand aufruft. Dann würden sie sich nach §113 TKG strafbar machen.

Allerdings können diese Dienste durch einen Richter gezwungen werden, alle Besucher einer Seite zu loggen. Dies ist bei Jap zwei Mal geschehen, 2003 und 2006. Bei Cyberghost ist mir kein Fall bekannt, in dem dieses Unternehmen IP-Adressen an Staats- oder Abmahnanwälte weitergegeben hat. Wer diese Option aber prinzipiell ausschließen möchte, sollte einen VPN-Anbieter im Nicht-EU-Raum wählen. Danke für Nichts

Im Jondonym-Forum gibt es zu Cyberghost auch einen thread:
Cyberghost - die Anonymität des kleinen Mannes.
Ich brauche das nicht, ich trete überall als huscholz auf, denke aber, das Thema gehört zum Basiswissen für Internetnutzer. Würde mich freuen, wenn die Links einen Einstieg bieten.


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