eLeW, ein Land eine Welt - Forum 3 zu allen Fragen, die mit der Arbeitslosigkeit zusammenhängen
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Thema: Zur Diskussion der Vollbeschäftigung |
Anlass ist das hohe Ross, von dem herab der Kommentator der Berliner Zeitung gestern verkündete: "Vollbeschäftigung ist recht klar definiert, und sie ist auf absehbare Zeit selbst unter günstigsten Bedingungen unerreichbar."
Damit bürstete er die Festredner des 1. Mai ab, die in ihrer Vermessenheit die Vollbeschäftigung (VB) angeblich forderten.
Das trifft auch mich, da ich dafür eintrete.
Bei Wikipedia ist zu finden, dass die VB nicht klar definiert ist. Danach ist VB sowohl bei 0,8% Arbeitslosigkeit gegeben als auch bei 6%.
Meine Definition steht nicht dort. Als eLeWler leite ich VB von den Menschenrechten ab (Nr. 23, Recht auf Arbeit) und die ist an dem Tag erreicht, wo es keinen Arbeitssuchenden gibt.
Einstein soll im "Recht auf Arbeit" nur ein "Recht auf Zuchthaus" erkannt haben. Er hatte vielleicht nur den Fließbandarbeiter vor Augen. Der stirbt aber aus. Dank segensreicher Automatisierung (Steigerung der Produktion aufs Übermenschliche, strukturelle Arbeitslosigkeit) stirbt diese VB aus. Dazu verhilft auch der Computer, der "Gehirn"-Leistungen bündelt, vertausendfacht und wahnsinnsbeschleunigt. Womit die Arbeitsplätze der "Arbeiter der Stirn und der Faust" mehr und mehr verdampfen.
Offensichtlich wird aber VB nur im Zusammenhang mit diesen ehemaligen Arbeitsplätzen gesehen. Dann ist natürlich jeder Versuch, diese mit gemeinnütziger Arbeit zu ersetzen oder durch Arbeitszeitverkürzung die vorhandenen Arbeitsplätze zu strecken, sinnlos. Wenn also der Kommentator deshalb diejenigen, die VB für wichtig halten, für dämlich hält, dann ist er selber dämlich.
Ich mache es kurz und allgemein:
Wenn wir täglich über Mängel und Ärgernisse stolpern müssen, dann taucht die Frage auf, warum diese, meistens langanhaltenden Missstände nicht behoben werden?
Die Antwort, es ist kein Geld da und keine Leute, ist bekannt. Würde das geändert und die Missstände wären weg, ginge es weiter mit Verbesserungen. Das führt zur VB.
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Gerhard Kilper am 14.1.08, heute von mir gefunden im Gästebucharchiv von Dr. Heiner Flassbeck:
"..aufgrund der faktisch praktizierten Wirtschafts- und Finanzpolitik (bei uns und durch die Lissabon-Vereinbarungen in der EU) wohl davon auszugehen ist, dass Vollbeschäftigung heute tatsächlich nicht mehr wirklich Ziel der Politik mehr ist!
Während meines Studiums in den 1960-er Jahren verwies uns Erich Preiser in München in Sachen Makroökonomik immer wieder auf die Schriften des (Englisch publizierenden, zeitweise in GB und den USA lebenden) Polen Michal Kalecki, der nach Preisers Meinung mit Keynes auf eine Stufe zu stellen ist.
Kaleckis Sicht, warum „die Führer der Wirtschaft“ gegen Vollbeschäftigung sein könnten, (1943 geschriebener/ 1971 neu durchgesehener Aufsatz „Politische Aspekte der Vollbeschäftigung“) scheint heute aktueller denn je. Hier zusammengefasst seine Hauptpunkte:
1. Das Unbehagen der Wirtschaft an der Einmischung des Staates in das Beschäftigungsproblem überhaupt. Denn mit Vollbeschäftigung könnten die Unternehmer ihren indirekten Einfluss auf die Politik verlieren - nämlich bei beliebigen Regierungsprojekten die Politik darauf hinweisen zu können, „damit“ könne das „Klima des Vertrauens“ gestört und Arbeitsplätze vernichtet werden. Haushaltsdefizite würden von den „Führern der Wirtschaft“ wegen ihrer beschäftigungspolitischen Effektivität als Teufelszeug dargestellt und „gesunde Staatsfinanzen“ zur Doktrin erhoben, weil damit das Beschäftigungsniveau politisch vom „Klima des Vertrauens“, dessen Inhalte sie diktieren, abhängig sei.
2. Das privat-unternehmerische Unbehagen am Verwendungszweck der Staatsausgaben (öffentliche Investitionen und Subventionierung des privaten Konsums). Bei öffentlichen Investitionen fürchteten die Unternehmer zudem, der staatliche Sektor könne auf Dauer zu Lasten des privaten ausgeweitet werden; die Subventionierung des privaten Massenkonsums widerspreche diametral ihrer ethisch-ideologischen Grundauffassung „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Geld verdienen – es sei denn du verfügst zufällig über Vermögen“
3. Das Unbehangen an der sozial-politischen Situation bei Vollbeschäftigung als Dauerzustand: weil dann (ohne Furcht vor Arbeitsplatzverlust) für die Unternehmer das Klima von Angst und Disziplinierung entfalle und weil die Gewerkschaften dann leichter höhere Löhne durchsetzen könnten.
4. Kalecki meint zusammenfassend, obwohl bei Vollbeschäftigung die Profite für die Unternehmer höher seien als bei Massenarbeitslosigkeit, werde von den Mächtigen der Wirtschaft „Arbeitsdisziplin“ und „politische Stabilität in ihrem Sinne“ höher bewertet. Der „Klasseninstinkt“ sage ihnen, permanente Vollbeschäftigung sei von ihrem Standpunkt aus „ungesund“ und Arbeitslosigkeit „müsse“ integraler Bestandteil kapitalistischer Wirtschaft sein.
(Nach Michal Kalecki in Aufsatzsammlung „Krise und Prosperität im Kapitalismus“ Metropolis-Verlag Marburg 1987, S.235ff.)
Mit freundlichem Gruß, Gerhard Kilper."
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hallo huscholz, mir wurde die elew als BGE-Partei genannt. Was du hier über Vollbeschäftigung sagst, haut mit dem BGE nicht hin. Prüfe dich mal anhand der Thesen von Freiheit statt Vollbeschäftigung: http://freiheitstattvollbeschaeftigung.de/
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Hallo hallo. Bringt dein Beitrag uns in der Diskussion der Vollbeschäftigung weiter? Es sollte immer um die Sache gehen, huscholz ist unwichtig, da lohnt es sich hier zum Thema bei was Gerhard Kilper gesagt hat anzuschließen.
Will dich, hallo, aber nicht ignorieren und werde in zwei neuen threads antworten, auf die ich nicht verlinken kann, weil es sie noch nicht gibt: "Freiheit durch Vollbeschäftigung" und "eLeW - pro oder contra BGE". Im Forum 1, FAQ.
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