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Thema: PISA-Schock


Hallo, zu ihrem Aktuell vom 23.11.04, möchte ich noch was zufügen.

Wenn reformiert wird, dann, so scheint es mir, nur wenn es in den Kram passt, aber nicht wegen der Reform oder einer Verbesserung. Beispiel Lehrer. Finnland ist, wie sie richtig schreiben, das PISA-Spitzenland. Schaun wir mal auf die jährliche Unterrichtszeit, dann liegt Finnland unten mit 555 Lehrer-Unterrichsstunden. Deutschland liegt hinter USA, GB und NL auf Platz 4 mit 735. Das sind 32% mehr und bedeutet 32% mehr Lehrer. Immerhin 32%, sie wollen ja in ihrem Aktuell 100% mehr.
Das passt nicht in den Kram, denn wir wollen uns ja totsparen, wie sie an anderer Stelle richtig schreiben. Also schaut man auf das Bundesland mit den höchsten Lehrerstunden und zieht damit gleich oder gleich vorbei. Reformen stehn bei uns zulande nur an, wenn es billiger wird.

Was das Alter der Lehrer angeht, in 2003 waren 4% unter 30, aber 6,6% über 60 Jahre alt. 9,6% waren zwischen 30 und 35, aber 15,2% zwischen 55 und 60. Die größte Altersgruppe ist 50 bis 55 mit allein 23,1%. Ich denke, ihre Horrorzahl vom Durchschnitsalter der Kollegien mit 55 und älter trifft zu.

Warum wird nun aber von Finnland nur die Ganztagsschule übernommen? Weil es in den Kram passt. Unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung der Frau soll sie von den Kindern entlastet werden, um im Beruf die ungleich berechtigten Jobs billig zu übernehmen. Wie aber alle wissen, ist für die geistige Entwicklung der Kinder der liebevolle Umgang in der Familie unübertroffen. PISA sollte Anlass sein, einen Elternteil, wegen der Gleichberechtigung auch den Hausmann, zu Hause zu halten. Aber das passt ja nicht in den Kram. Lieber abends für den Rest des Tages ausgepowerte Gratisüberstunden leistende Eltern zum gegenseitigen Nerven auf die ganztags ver(bl)ödeten Kinder hetzen.
Aber es würde zur eLeW passen, denken sie mal daran, denn das fördert auch die Vollbeschäftigung in Zeiten knapper werdender Arbeitsplätze. Nicht nur die Lehrerverdoppelung.

In Anerkennung ihrer Absichten, freundliche Grüße ...



Das Thema Bildung steht bei der eLeW hinter Arbeit für alle an zweiter Stelle. Auf unseren Seiten taucht es bisher nur unter Aktuell auf. Von dort stammt auch die Information, dass die Lehrerzahl verdoppelt werden sollte. Danke für die Bestätigung unserer Horrorzahl vom überalterten Lehrerpersonal.

Dafür sei im Gegenzug gerne bestätigt, dass nur reformiert wird um zu sparen, oder was "in den Kram" passt.

Warum gefällt dies hier nicht an Finnland und wird sofort bei uns übernommen? Zu der geringen Lehrerstundenzahl kommt hinzu, dass jedes einzelne Kind individuell betreut wird. Zu den Lehrern kommen Schulpsychologen, Kuratoren, Sozialarbeiter, Sonderpädagogen, Schulassistent und bei Bedarf Ärzte dazu. Schule und Kinder werden getestet, aber nicht zum Zwecke der Auslese, sondern um Daten über die Leistung und das Wohlbefinden in der Schule zu erhalten. Finnland betont die Wichtigkeit des Wohlbefindens beim Lernen.
Schließlich stellen Schulleiter selbst ein und verantworten den Schulhaushalt allein.

Aus Obigem ergibt sich ein Interesse der Finnen, dass Schule funktioniert und dass sie einen Weg gefunden haben, dafür zu sorgen.

Was tut sich bei uns? Das Neueste: Die Bildungsministerin Bulmahn sieht die Hauptschule als Auslaufmodell (Financial Times hier). Um dahin zu kommen, wurde die Hauptschule richtig fertig gemacht. Die anderen Schulzweige auch, die Hauptschule als schwächstes Glied konnte sich leider überhaupt nicht wehren. Statt nun zu sehen, wie die Finnen etwas aufbauen, wird bei uns unter die Zerstörung der Schlussstrich gezogen. Die eLeW wird das Thema ausbauen.

Alles Gute, Hans U. Scholz


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